hier & jetzt | was passiert? | leben und lügen | gedruckt | lesen! | alles mögliche | dann mal schauen | andere sprechen | brief
   
Alle Folgen
Blam! - die Musik
 

Die Musik ...

... sollte eigentlich ein wesentlicher Bestandteil der Serie »Blam!« sein, schließlich waren alle Hauptdarsteller selber Musiker, spielten in Bands (Jürgen Tonkel bei Innerdeutsche Beziehungen, Sebastian Deutschmann bei Sella Vee, Sigi Hümmer und ich bei Marionetz und ich außerdem bei The Comics), schrieben Songs usw. Außerdem war Blam! ja auch eine Art Band, und also schien es ziemlich logisch, wie und woher die Musik kommen würde ...
Es kam dann aber ein bißchen anders als gedacht. Für die erste Staffel durften die Darsteller Demoaufnahmen einreichen, die je nach Verwendbarkeit auch verwendet werden sollten. Aufgenommen wurden die ausgewählten Songs aber von Studiomusikern, was vielleicht nicht die allerbeste Idee war, denn die Resultate klangen nicht nur arg dünn und wie ein etwas peinlicher Aufguß der längst vergangenen Neuen deutschen Welle, sondern auch ziemlich un-jugendlich — dabei hätte doch die ungestüme Naivität das Hauptmerkmal der fiktiven Band sein sollen.
Ein paar Beiträge stammten aber auch von den Darstellern, vor allem natürlich der Gesang. Zusätzlich wurde ich aber auch noch eines Tages ins Studio (irgendwo auf dem Land, vielleicht fällt's mir eines Tages wieder ein) bestellt, um eine Gitarre zu spielen, die der Studiogitarrist nach Meinung des Produzenten Lothar Meid nicht so dreckig und lärmig hinbekam.
Bei der zweiten Staffel war die Sache noch mal ein bißchen anders. Weil sich inzwischen trotz emsigen Bemühungen keine Plattenfirma gefunden hatte, die den Soundtrack zur Serie veröffentlichen wollte, wurde umdisponiert und »modernisiert«: Statt Menschen spielten jetzt größtenteils Computer, was die ganze Musik freilich noch unnatürlicher, fremder und artifizieller klingen ließ. Das sah dann manchmal ziemlich seltsam aus, wenn im Fernsehen die Band zu sehen war, wie sie sich abstrampelte, und dazu erklangen dann minimalistische Elektronik-Plöppereien. Selbstverständlich wollte so etwas erst recht keine Plattenfirma rausbringen, und so verschwand die »Blam!«-Musik in den Archiven. Viele Jahre später gab es mal einen »handgebrannten« Bootleg davon, aber als offizielles Album wird sie wohl für alle Zeiten unveröffentlicht bleiben.

Die Songs, an die ich mich noch erinnern kann, waren folgende:

»Blam! - die Titelmelodie« — beruhte auf einem Instrumentalstück von Innerdeutsche Beziehungen, lief über Vor- und Abspann jeder Folge und manchmal als Ausschnitt auch zwischendrin (bei Verfolgungsjagden z.B.).

»Komm zurück zu mir« (Folge 1) — ein Zusammenschnitt aus zwei Comics-Stücken, nämlich »Countdown« (dessen Refrain den Produzenten zu brachial war) und eben »Komm zurück zu mir« (wo sie die Strophe zuwenig poppig fanden). Hier spielte ich eine Gitarrenspur drauf und regte mich furchtbar über den käsigen Uh-lalala-Chor auf, der nicht von Sigi gesungen wurde, sondern von den Studiomusikern. Die Originalversion von »Countdown« war auf der Comics-MC »Ready! Steady! Comics!«, das Original von »Komm zurück zu mir« gab es nur als Demo.

»Surfing« (Folge 2) — wieder eine Innerdeutsche-Beziehungen-Nummer, gesungen von Sigi. Von der Band IDB gab es, soweit ich weiß, nur zwei Singles (»Power auf der Mauer« und »Dein Prinz«), die beiden Songs sind also wohl auch nie veröffentlicht worden. In Folge zwei gab es außerdem den Sommerhit »Komm wir fahrn zum Baden« von der Band The Comics zu hören. So hieß damals meine Band, und ich und Bassist Thomas waren auch auf dem Cover zu sehen, der dritte Mann war allerdings jemand anderer als unser Trommler Oli. Der Song stammte aus der Zeit, als wir noch Tollwut hießen, und die TV-Version wurde nicht von uns, sondern von den Marionetz eingespielt (mit mir am Baß), und zwar schon 1982 als Demo, produziert von Dieter Erdmann und Stefan Zauner. Kompliziert, gell?

»Du und ich« (Folge 3) — ein Song von Sigi aus seiner Balladen-Phase, die er bei Marionetz nie richtig durchsetzen konnte (von ein paar Ausnahmen abgesehen), schon wegen Textzeilen wie »Du und ich, wir sagen niemals nein, fühlen unsere Wärme« ...

»Steig ein und gib Gas« (Folge 4) — stammte von Sebastian, der den Song auch sang; das Demo hatte er zusammen mit dem Sella-Vee-Drummer Willi Hampel aufgenommen (der später Schlagzeug und auch mal Baß bei den Comics spielte und heute als Sänger unter dem Namen Doctor Will auftritt). In Folge 4 trat auch die Band Bebop auf, die es wirklich gab und deren Bassist Carsten von den Nikoteens stammte.

»Stop« (Folge 5) — von Sigi, aber ziemlich deutlich inspiriert von Tracey Ullmans Single »Breakaway«, gesungen von Sigi und Sissy.

»Rock 'n' Roller« (Folge 5) — wieder ein Auftritt einer Gast-Band, die größtenteils aus Richard Rigan (der den Song auch sang) und dem Rigan Clan bestand (hier unter dem Namen »Rix 'n' Rollers«). Geschrieben, glaube ich, von Lothar Meid.

»Boy« (Folge 6) — gesungen und geschrieben von Sissy nach einer Vorlage, von der ich nicht mehr weiß, wie sie hieß und von wem sie war.

»Supergirl« (Folge 7) — der erste vollelektronische Song, geschrieben entweder von Sigi oder Lothar Meid, das weiß ich leider nicht mehr genau; gesungen von Sigi.

»Samstag nacht« (Folge 8) — kann ich auch keinem Komponisten mehr zuordnen, möglicherweise war der Song von Sebastian, der ihn zusammen mit Sigi gesungen hat. Hinzu kam ein ziemlich entgleister Chor aus vielen Darstellern, aufgenommen im Studio der Bavaria in Geiselgasteig, wo das Playback im Kopfhörer so leise war, daß man zwangsläufig keinen Ton mehr traf.

»Hexennacht« (Folge 9) — der Komponist dieser Elektroniknummer ist mir ebenfalls unbekannt, vielleicht war's Sissy selber. Mitgesungen haben, wenn ich mich recht erinnere, auch Franzi und Katharina von The Darks.

»Ba-di-da-di-da-di-da« (Folge 10) — war wieder von Sigi und (abgesehen von dem viel zu laut abgemischten Gesang) der einzige Song, der wirklich nach einer jungen, fetzigen Band klang. Gesungen von Sigi, beim Chor sangen wir anderen glaub ich auch mit. Der in derselben Folge angespielte Song der Band »Orion« war wahrscheinlich eine echte Liveaufnahme von der Szene.

»Stimmen aus Glas« (Folge 11) — beruhte wohl auf einer Idee von Sigi und war wahrscheinlich der absolute musikalische Tiefpunkt der Serie. Gesungen von Sigi, der im Refrain die x-te Variante seines damaligen Marionetz-Standard-Refrains einbaute. In Folge 11 war auch noch eine kurze Studioaufnahme der »Stadtindianer« zu hören (die live klingen sollte, was sie aber aufgrund exzessiven Einsatzes eines Echogeräts nicht tat); keine Ahnung, von wem die war.

»Frei für dich« (Folge 12) — gesungen von Sigi, stammte aus der Feder des Marionetz-Produzenten Harald Steinhauer (Musik) und des Schlagersängers Helmut Frey (Text), was deutlich zu hören war.

»Feuermann« (Folge 12) — Brunos Soloauftritt, deshalb auch gesungen von Jürgen, der als Sänger nicht gerade ein Naturtalent war, sich aber gewaltig Mühe gab. Wer's geschrieben hat, weiß ich nicht mehr, vielleicht Lothar Meid.

»Bitte bleib« (Folge 13) — war von mir; es gab auch eine (unveröffentlichte) Comics-Version, die einen anderen Rhythmus hatte, was das Singen ziemlich erschwerte.

»Es ist vorbei« (Folge 13) — stammte, glaube ich, von Sebastian und wurde zeilenweise von allen »Blam!«-Mitgliedern gesungen.


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer