Angefangen am 12. März 2001, fertiggeschrieben am 6. März 2002, gedruckt im IN München am 20. März. Auch enthalten in diesem Buch:

 
  hier & jetzt | was passiert? | leben und lügen | gedruckt | lesen! | alles mögliche | dann mal schauen | andere sprechen | brief
 
in Band 4:

Geschlossene Anstalt

Wollt ihr die totale Motivation?

Neu: Ganzjährig grellbunte Preßwürste!

Vom Unter- und Übernehmen und anderen Blödheiten

Brunftchoräle im Leberwurstkessel

Achtung Kultur: Ab heute nur noch Mega-Oper!

Tunnel-GAU statt Hyperstau

80 Millionen hochwertige Produkte

Grüner Widerstand von Poller bis Gulli

Geistwesen zwischen Event und Bullshit

Enthaltsam vereint

Der König geht

Achtung, Ferkel! Sie werden beobachtet!

Arbeit statt Prost

65.000 Wohneinheiten für Schreibtische

Ich werde nie, nie, nie, nie eine Vision haben

Von Point zu Point: Der rollende Wahn

Mund auf, Ohren zu, Hirn tot

Erlauchter Bauch

Mit dem Kirch ins Dorf

Ehemals gewaltig

Mehr Beton!

Heute Ruhetag

Matte? Ben? Elise? Olles blaß ein Mäßverstindnis!

Tüdelü! Wo bist du? Und wer?

Wer sich nach Deutschland begibt, kommt darin weg

Würgen an Wallace

Das ideale Klima

Von der Belanglosigkeit des Viertellebens

Ich sage nur ein Wort: Mit mir nicht!

Der alte Mann und der Fruchtsaft

Offensive Zukunft Bayern: Himmel frei!

Hilfe! Hitze! Öltank-Terror und Bombastik-Bunt-Bomben!

Die große Koalition der Hüpfburgen

Nur keine Sentimentalitäten! sondern weg mit dem Zeug!

Die Entscheidung: Leberkrebs? Ebola? Zyankali?

Last Train To Konformistan

Falschlachs, Taumler, Verbrüderungsenzian

Wandern ohne Prallsack? Das wird teuer!

Die wundersame Zeitvermehrung

Rankende Strünke, keine Eier

Der Angriff der gelben Kamikaze-Killertomaten

»Arbeiter! Meidet die Schankräume der Demagogie!«

Ungeordneter vorweihnachtlicher Frühstücks-Hirnschwurbel

The Great Weihnachts-Swindle

Gleich und gleich vergleicht sich gern (oder andersherum)

Explodierende Wichtigkeiten aus Leder und Stahl

Alles Neue ist doof und stinkt!

Grüß Gott, Herr Widmer! Wo war ich?

Auf ins Land der "Wie kann ich Ihnen dienen!"-Kasperl!

Vom Weg zur Wurst (und wieder retour)

Die Axt in der Hand, der Hirntod auf den Dächern

Massenflucht ohne Ankunft

Friede den Hütten, Krieg den Verwaltern!

Einigkeit und Recht und vor allem mehr Geld

Namen sind Schall, Rauch und Terror

Wo die Hummel brummt und alles so ist, wie es ist

Abgedönerte Bestseller in Asylistan

Ah! Oh! M-hm! Nt! (und ansonsten durchschlafen)

Humanitäre Katastrophe: Wilde Sau im Bikini eingegraben!

Es gibt nichts nicht, was es nicht nicht gibt

Altfleischbrocken im Seichsud der Zivilisationswüste

Sinkende Spitzen und Stör-Gespenster

Rettet Ameise kein Irrenhaus, äh

Ausscheidungswettbewerb

Belästigungen 1

Belästigungen 2

Belästigungen 3

Achtung, Ferkel!
Sie werden beobachtet!

Man sollte keine Interviews lesen. Zumindest keine solchen, die man sich vor längerer Zeit ausgeschnitten hat, weil man sie jetzt gleich nicht lesen wollte und eigentlich überhaupt nicht, aber dachte, man sei irgendwie verpflichtet, sie irgendwann doch zu lesen. Oder: Interviews mit BILD-Redakteuren. Die sollte man gar nicht lesen. Seit einiger Zeit hat die BILD-Zeitung einen stellvertretenden Chefredakteur, der "weiblichen Geschlechts" ist – der technisch und inhaltlich richtigere Ausdruck ist Chefredakteuse, denn die – jetzt darf ich dieses "Wort" zitatweise auch mal benützen: "Powerfrau" gibt sich große Mühe, sämtliche Springer-kompatiblen Eigenschaften beider Teilnehmer eines guten Blondinenwitzes in sich zu vereinigen. Deshalb heißt sie auch Marion Horn ("hornig": vgl. www.0payment.com/deu/) und kennt nur "normale Menschen weiblichen Geschlechts" und "keine, die morgens aufwachen und weinen, weil sie Frauen sind". Das wäre auch zuviel verlangt. Andererseits würde es mancher ganz gut stehen, wenn sie morgens aufwachen täte und weinen, weil sie Marion Horn ist: "Eine Frau, die so gut sein will wie‘n Mann, hat einfach keinen Ehrgeiz", lautet ihr Beitrag zur aktuellen Haha-Welle suuuuperlustiger Sprachäußerungen, die man Kalauer nennt, weil man Erbrochenes Kotze nennt.

Und: "es ist Quatsch, Menschen in männlich und weiblich einzusortieren." Auch diese Erkenntnis verdanken wir Mensch Horn, die andererseits, auch wenn sie nicht nur stellvertretende, sondern richtige Chefredakteuse wäre, dennoch "dafür sorgen" würde, daß auf Seite eins des Verblödungs-Kampfblatts "ein lecker Mädchen abgebildet wird. Ich denke, daß auch Frauen lieber auf das Photo einer nackten Frau als auf das eines nackten Mannes gucken." Ellabätsch: einsortiert! Das geht noch weiter: "Nach sechs Wochen mit Frauen in der Chefredaktion haben wir so lustige Diskussionen wie: ‚Ist Bild jetzt zu weiblich?‘" Es ist legitim, den starken Wunsch zu empfinden, sich zu defenestrieren, wenn man solchen Schwachsinn lesen muß; andererseits muß man ihn ja nicht lesen. Man kann auch lesen, was im Mai 1968 in BILD zu lesen war: "Es prasselt wieder Ohrfeigen – aber nicht bei uns!" Würde zwischendurch vielleicht gar nicht schaden.

Andere haben andere und doch irgendwie demselben Urquell entsprudelnde Ansichten, was die zwiefältigen und vielspältigen, ähem, Spannungsbereiche zwischen den Geschlechtern angeht – oder zumindest deren Verwurstung in Bezahleinheiten. Zum Beispiel ein anderer, diesmal "echter" Chefredakteur namens Stefan Gessulat, der aussieht wie eine vulkanische Billardkugel, uns alle in einem "Zeitalter der Selbstdarstellung" wähnt und sich deshalb neulich einem Zwiegespräch mit dem Künstlerseelsorger der Erzdiözese München und Freising (nein, ich wußte bislang auch nicht, daß es so etwas gibt) stellen durfte, um sein Blatt, den PLAYBOY, der seit ungefähr zwei Jahrzehnten verbissen auf der Jagd nach der untersten Niveaugrenze für bedrucktes Papier ist, mal wieder "ins Gespräch" zu bringen. Dabei entfuhr dem vorsitzenden Zoten-Eroten neben einer ganzen Halde von dem üblichen Schnarch-Mist zum Thema Prüderie und Hihihi, Denkbarrieren (leider nicht die eigenen), Schmuddelkuddelmuddel, Lotharmatthäuskuschelmäuschen und diesem ganzen Zeug die folgende Sprechblähung: "Die Mädchen beobachten den Betrachter." Genau dies geschehe auf den mittleren Seiten seines Heftes, und das ist natürlich auch der Grund, warum sich nicht nur die erwähnten Lotharmatthäuskuschelmäuschen, sondern überhaupt jede "gut gewachsene" Frau der Welt darum reißt, sich bei der nächsten Gelegenheit zu entkleiden und aufs Fell zu werfen. Um den Betrachter zu beobachten.

Nicht daß ich den lackierten Nacktmöhren den schwitzenden Schmuddel nicht gönne, der sich ihnen darbietet, wenn sie Oberlippenbartdümpfeln, Unterstufenschülern und Generaldirektoren auf Raststättenklos und ähnlichen Etablissements beim Rubbeln im Kabuff zusehen müssen. Es kann auch dem dümmsten BWL-Modell nicht schaden, wenn es vorher einen kurzen Crash-Kurs in Soziologie absolviert. Nicht daß mir der Vorgang nicht einleuchten täte. Nun weiß ich wenigstens, wieso es dem amerikanischen PLAYBOY zu Zeiten, als er noch eine Zeitschrift war (doch doch, die gab es), gelang, den kubanischen Oberdampfplauderer Fidel Castro für ein Interview zu gewinnen, das der mit Freuden und seiner bekannten Mißachtung jeglicher Zeitvorgaben gewährte: Der gute Fidel wollte bloß das Weiße Haus, das Pentagon und die Vorstandetagen amerikanischer Raketenfabriken ausspionieren (und vielleicht auch gleich mal nachsehen, ob es dort wirklich vierlagiges Klopapier gibt).

Ein bißchen mache ich mir aber Sorgen um den Entdecker des erstaunlichen Phänomens, Herrn Gessulat selbst: Was wird sein, wenn der demnächst nicht nur von seinen Mädchen betrachtet, sondern auch gleich noch von seiner Currywurst mit Pils gegessen respektive getrunken wird, sich dann bei dem Versuch, die Reste zu beseitigen, mit und als Staubsauger selbst einsaugt und für ein Raum-und-Zeit-Paradoxon von danteschen Ausmaßen sorgt? Hui! Da wird mir doch ein bißchen mulmig.

 


e-mail:michaelsailer | impressum | © Michael Sailer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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