Angefangen am 25. September 2002, immer mal wieder aktualisiert und erweitert, gedruckt im IN München am 28. Mai 2003. Auch enthalten in diesem Buch:

 
  hier & jetzt | was passiert? | leben und lügen | gedruckt | lesen! | alles mögliche | dann mal schauen | andere sprechen | brief
 
in Band 4:

Geschlossene Anstalt

Wollt ihr die totale Motivation?

Neu: Ganzjährig grellbunte Preßwürste!

Vom Unter- und Übernehmen und anderen Blödheiten

Brunftchoräle im Leberwurstkessel

Achtung Kultur: Ab heute nur noch Mega-Oper!

Tunnel-GAU statt Hyperstau

80 Millionen hochwertige Produkte

Grüner Widerstand von Poller bis Gulli

Geistwesen zwischen Event und Bullshit

Enthaltsam vereint

Der König geht

Achtung, Ferkel! Sie werden beobachtet!

Arbeit statt Prost

65.000 Wohneinheiten für Schreibtische

Ich werde nie, nie, nie, nie eine Vision haben

Von Point zu Point: Der rollende Wahn

Mund auf, Ohren zu, Hirn tot

Erlauchter Bauch

Mit dem Kirch ins Dorf

Ehemals gewaltig

Mehr Beton!

Heute Ruhetag

Matte? Ben? Elise? Olles blaß ein Mäßverstindnis!

Tüdelü! Wo bist du? Und wer?

Wer sich nach Deutschland begibt, kommt darin weg

Würgen an Wallace

Das ideale Klima

Von der Belanglosigkeit des Viertellebens

Ich sage nur ein Wort: Mit mir nicht!

Der alte Mann und der Fruchtsaft

Offensive Zukunft Bayern: Himmel frei!

Hilfe! Hitze! Öltank-Terror und Bombastik-Bunt-Bomben!

Die große Koalition der Hüpfburgen

Nur keine Sentimentalitäten! sondern weg mit dem Zeug!

Die Entscheidung: Leberkrebs? Ebola? Zyankali?

Last Train To Konformistan

Falschlachs, Taumler, Verbrüderungsenzian

Wandern ohne Prallsack? Das wird teuer!

Die wundersame Zeitvermehrung

Rankende Strünke, keine Eier

Der Angriff der gelben Kamikaze-Killertomaten

»Arbeiter! Meidet die Schankräume der Demagogie!«

Ungeordneter vorweihnachtlicher Frühstücks-Hirnschwurbel

The Great Weihnachts-Swindle

Gleich und gleich vergleicht sich gern (oder andersherum)

Explodierende Wichtigkeiten aus Leder und Stahl

Alles Neue ist doof und stinkt!

Grüß Gott, Herr Widmer! Wo war ich?

Auf ins Land der "Wie kann ich Ihnen dienen!"-Kasperl!

Vom Weg zur Wurst (und wieder retour)

Die Axt in der Hand, der Hirntod auf den Dächern

Massenflucht ohne Ankunft

Friede den Hütten, Krieg den Verwaltern!

Einigkeit und Recht und vor allem mehr Geld

Namen sind Schall, Rauch und Terror

Wo die Hummel brummt und alles so ist, wie es ist

Abgedönerte Bestseller in Asylistan

Ah! Oh! M-hm! Nt! (und ansonsten durchschlafen)

Humanitäre Katastrophe: Wilde Sau im Bikini eingegraben!

Es gibt nichts nicht, was es nicht nicht gibt

Altfleischbrocken im Seichsud der Zivilisationswüste

Sinkende Spitzen und Stör-Gespenster

Rettet Ameise kein Irrenhaus, äh

Ausscheidungswettbewerb

Belästigungen 1

Belästigungen 2

Belästigungen 3

Einigkeit und Recht und vor allem
mehr Geld

Früher standen bei uns in der Gegend manchmal Plakate herum, auf denen zu lesen war: "Peter Glotz macht Politik!" So ein Schmarrn, dachte ich mir damals und faßte beim Anblick eines solchen Plakats jedesmal aufs neue den spontanen Entschluß, alle möglichen Leute zu wählen, aber bestimmt nicht diesen Angeber, der genauso aussieht, wie er heißt. Das war möglicherweise ungerecht, aber so ist man halt. Ich hänge ja auch keine Plakate in der Gegend herum, auf denen steht: "Michael Sailer macht Kartoffelauflauf!"

Nun "macht" Peter Glotz schon seit längerem nicht mehr Politik, sondern ist, soweit ich informiert bin, neben allen möglichen Ausschußjobs in irgendeinem dieser privaten "Institute", in denen die Geldadelelite des 21. Jahrhunderts auf Wachstumsfanatismus gedrillt wird, als Formularstempler und/oder Dampfplauderer "tätig" – und weil da soviel zu tun nicht ist, läßt er sich nebenbei von hochgestochenen Dampfplauderblättern wie der ZEIT fürs Zeilenfüllen bezahlen.

Vor einiger, ähem, Zeit nun forderte er unter der Überschrift "Dein Abgeordneter, der arme Schlucker", Politiker müßten endlich viel mehr Geld bekommen, weil sie sich sonst immer schämen, wenn sie von Vertretern der kapitalistischen Räuberbanden, die zwei- und mehrstellige Millionenbeträge einschieben, in hunzingersche Hinterzimmer einbestellt werden, um Richtlinien, Befehle und Spenden entgegenzunehmen. Im übrigen könne es nur so gelingen, die "Elite" in die Parlamente zu locken (wo sie, wenn sie dann drinsitzen, sich die "Bezüge" gleich noch mal kräftig aufstocken können, wie kürzlich in Schleswig-Holstein geschehen).

Dümmer und dreister ist mir, obwohl ich mir viel zumute, lange niemand gekommen. Dabei ist die (tief im Müll vergrabene) Grundthese vielleicht nicht einmal so ganz falsch: Man könnte meinen, wer anständig bezahlt wird, werde auch seine Arbeit anständig tun. Das gilt für jeden Beruf. Nun könnten wir uns fragen, warum unsere Elektro- und sonstigen Geräte dauernd kaputtgehen, warum sich "Möbel" binnen kurzer Zeit in einen Berg Formaldehyd-Müll verwandeln, warum uns die (schon beim Einzug unbewohnbaren) Neubauhäuser nach wenigen Jahren über den Köpfen zusammenbröseln (oder, wie ein besonders fürchterlicher und trostloser Elendsklotz gleich um die Ecke, gar nicht erst Bewohner finden), warum die Zeitungen randvoll mit Schreib-, Druck- und Setzfehlern sind, warum Bücher nach dem ersten Lesen auseinanderfleddern, warum unsere Klamotten nach dem zweiten Waschen kaum mehr zum Fensterputzen taugen, warum wir immer minderwertigeren Dreck essen sollen, der uns in fürchterlichen "Shopping-centers" von vollkommen ahnungs- und lustlosen Uniformierten angedreht wird, warum alte Menschen in heruntergekommenen Sterbeanstalten in ihrem eigenen Kot dahinvegetieren müssen usw. usf. ... werden die Leute, die diese Dinge herstellen oder verrichten, etwa nicht anständig bezahlt?

Wir könnten uns aber auch fragen, wieso sich für Jobs, die mit derartigen Wahnsinnssummen "entlohnt" werden wie die der Wirtschafts-Führer, dann nicht bessere Leute finden lassen als die derzeit herrschende Bande von Trotteln, Versagern und Schwerverbrechern. Kerle dieses Formats, Herr Glotz, gehören in den Turm gesperrt, und nicht in Parlamente und Regierungen, wo sie dann noch (ein bißchen) mehr Macht über unser kollektives Schicksal hätten als sowieso schon. Roland Berger als Umwelt-, Boris Becker als Finanz-, Leo Kirch als Familien- und Kim "Dr. Kimble" Schmitz oder ersatzweise Max Strauß als Wirtschaftsminister – das hat uns gerade noch gefehlt.

Richtig: Ob aus Feigheit, Unterwürfigkeit, Minderwertigkeitskomplexen – unserer politischen Klasse will und will es um keinen Preis der Welt gelingen, die kriminellen Einkommen gewisser Leute per Steuern anzuzapfen und ein bißchen zu mäßigen, um am anderen Ende die Not nicht nur der menschlichen Verlierer des wirtschaftsfaschistischen Prozesses, sondern inzwischen ganzer Städte zu mindern. Und daraus sollen wir den Schluß ziehen, daß wir die Inhaber der "Politik-Jobs", die sich nicht an die Superreichen herantrauen, am besten selber zu Superreichen machen, weil dann ... ja, was eigentlich? Staat und Gesellschaft endlich gänzlich wie ein Konzern funktionieren, in dem die "Kleinen" (d.h.: Schlechtbezahlten) die Folgen der Unfähigkeit, Dummheit, Zügellosigkeit, Gier und kriminellen Energie der "Großen" ausbaden? Ein gutes Stück in diese Richtung haben wir es schon geschafft, ohne daß sich jemand ernsthaft bemühte, gegenzusteuern, weil man eine solche Degeneration für den natürlichen Lauf der "Welt" i.e. des "Marktes" hält.

Und ganz nüchtern sollten wir bedenken: Daß die Qualität und Arbeitsfreude des Personals mit der Bezahlung steigt, ist richtig. Darum sollten wir endlich damit beginnen, die Leute, die die unerläßliche Arbeit tun, anständig zu entlohnen. Andererseits ist offensichtlich, daß ab einer gewissen Grenze (die der Durchschnittsmensch in seinem ganzen Leben nie erreichen wird) mit der Bezahlung nur noch Gier, Rücksichtslosigkeit und Asozialität steigen. Ein verantwortungsvolles Gemeinwesen setzt solchen Leuten sehr enge Grenzen und kontrolliert sie strengstens. Und sorgt nebenbei dafür, daß Leute, die einen derartig schwachsinnigen Wahn verbreiten wie Peter Glotz, nicht in Positionen kommen, wo sie solches ungestraft tun können. Sondern, meinetwegen, ans Fließband. Oder aufs Sozialamt (als "Kunden").


e-mail:michaelsailer | impressum | © Michael Sailer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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