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Das Platten-ABC:
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Z: Zita Swoon ZZ Top

Zita Swoon -- I Paint Pictures On A Wedding Dress

Daß Belgien ein kinderfreundliches Land sei, mag in letzter Zeit niemand mehr so recht glauben. Eine gute Gelegenheit für euren Doc, mal wieder tapfer das Gegenteil zu behaupten! »Armes Belgien« (Charles Baudelaire? Reiches Belgien (Dr. Trend)! Und zwar reich an Musikern, die das verspielte, lustige, traurige, naive, verträumte, versponnene, unternehmungslustige Kind in sich hätscheln und pflegen, das Musiker anderer Provenienz zugunsten von glaubwürdigem Ernst und biederer Kunzigkeit so gerne ins dunkle Kellerkämmerchen ihrer (dann nur noch angeblichen) Kreativität sperren. In Belgien, so will es eurem Doc scheinen, darf man alles, und das auch noch bei einer »großen« Plattenfirma: Elvis Costello und Captain Beefheart, Dr. Hook, Tom Waits, die Flaming Lips, Van Morrison und Nick Cave zusammen in einen Sandkasten setzen und sich an den gemeinsam erstellten Phantasieburgen erfreuen, daß es eine Herzenslust ist. Natürlich heißen die an der Band Zita Swoon beteiligten Herren ganz anders: Carlens, Jespers, Pintens, Eriksson und De Smet; und aussehen tun sie wie eine wüste Mischung aus allen möglichen Irrsinnen, die wir spätestens seit deus' »Worst Case Scenario« in Antwerpen beheimatet wissen. Erstgenannter Carlens war daran übrigens beteiligt, und damit schließt sich der Kreis: »Every Day I Wear A Greasy Black Feather On My Hat« hieß das Album, das er nach seinem Ausstieg bei deus unter dem Namen Moondog Jr. veröffentlichte. Das mochte euer Doc sehr gerne, und siehe da: Moondog Jr. heißen jetzt Zita Swoon. Das sollte als Argument für unbeschränkte Rezeptpflicht genügen. Genügt nicht? Gut: die Musik, die der Federträger und Kleiderbemaler mit seinen Freunden macht, ist verspielt, witzig, naiv, traurig, verträumt, versponnen, unternehmungslustig. Wie Kinder nun mal so sind. (März 1999, WOM-Journal (Rubrik »Dr. Trend«))

ZZ Top -- XXX

Vor einiger Zeit sagte Jürgen von der Lippe, von Alfred Biolek nach seinen notorischen Scherzchen über das Älterwerden befragt, er mache das aus Gründen des Selbstschutzes schon seit er 30 ist. So könne man, unbehelligt vom Jugendlichkeitszwang des rasenden Yuppie-Kapitalismus, in Würde alt werden, was eines seiner Vorbilder bis ins biblische 97. Jahr sehr erfolgreich betrieben habe. ZZ Top sind ungefähr so alt wie Jürgen von der Lippe, und sie haben den Mechanismus auch schon vor 20 Jahren verstanden: Ihre damals plötzlich PR-tauglich gewucherten Bärte veränderten (bzw. verloren) seither nur die Farbe, zittern jedoch ansonsten weiterhin imposant im Groove des ewigen, erdigen, unverwüstlichen, bluesigen Boogie-Rock, der in den Südstaaten immer noch mit meterbreiten Schluffen über die Landstraßen donnert. Was soll's, fragt der Nachwuchs, und auch der selbst gealterte Genre-Freund reagiert vorsichtig: Gute ZZ-Top-Platten hat er eine ganze Reihe, und die wirklich guten haben schon ein ebenso gutes Bündel Jahre auf dem Rücken. Doch »XXX« könnte für das Trio Bart, Bart & Beard eine Renaissance einleiten: Für ein einziges der wuchtigen, peitschenharten Riffs würden 99 Prozent derer, die sich heute Rocker nennen, Haus, Hof, Harley und Großmutter verkaufen. Das knallt, dröhnt, röhrt, dampft, groovt und rollt, daß es eine wahre Freude ist; und daß die zuletzt bisweilen übermächtige Technik diesmal nicht nur auf den gewaltigen Live-Tracks gegenüber dem hochprozentigen Originalgebräu aus Schlangengift, gebleichten Knochen, Wüstensand und saurer Maische ins Hintertreffen geraten ist, macht die Platte noch besser. (Oktober 1999, WOM-Journal)

ZZ Top -- Greatest Hits

Der rollende Donner aus Texas ließ sich von zwischenzeitlichen Elektronik-Stampeden ebensowenig beirren wie von Bartergrauung, sondern versammelte sich unmittelbar nach Fertigstellung des neuen Albums schon wieder im Studio, um für die zweite Best-Of-Platte zwei neue Songs zu rollen. - Ingredienzen: Rumms, Bumms, Dröhn, Rauch und Nitritpökelsalz - Hit-Anteil: ca. 40% - Anwendungsgebiete: Schüchternheit, Snobismus, motorische Störungen - Nebenwirkungen: Kollateralschäden bei Familienmitgliedern und Verwandten, bei Überdosierung Gefahr der Gehirnerweichung und Abstumpfung (Dezember 1999, WOM-Journal)


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer