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Frisch gepreßt 40 (Juni 2002):

The Jam - At The BBC

Lebensweisheiten erklären uns die Welt:

Alles Gute kommt von oben - Paul Weller wuchs in einem niedlichen Häuschen in Woking auf, aber erst als er die Vordertreppe hinabstieg und sich auf Londons Straßen begab, stellte er fest, daß in seiner Brust ein musikalisches Herz für die britische Arbeiterklasse schlug.

Mit dem Hut in der Hand kommt man durch das ganze Land - Notfalls tut es statt Hut auch eine Wut, die gerne Gitarrenform haben darf, und wenn man nun noch einen Bus mietet, kann man überall so großartige Auftritte feiern wie am 4. Dezember 1979 im Rainbow.

In der Kürze liegt die Würze - Zwar spielten The Jam anfangs live fast eine Stunde, allerdings selten weniger als 20 Songs.

Jeder ist seines Stückes Schmied - Wird von Neoliberalen gerne anders überliefert, stimmt aber nur so, und deshalb mußte Bruce Foxton seine "News Of The World" selber singen (netter Song, doofer Text).

Alles ist eitel - auch ein junger Punk-Rocker. The Jam trugen schwarze Anzüge, Fred-Perry-Shirts, Krawatten und schwarz-weiße Schuhe, obwohl ihr Beruf in erster Linie darin bestand, sich im Schmurbelschwaddel dreckiger Bühnen zu wälzen und Schweiß zu vergießen.

Einmal ist keinmal - Bei 56 Tracks und angesichts dessen, was wir uns sonst so alles anhören müßten, dürfen es ruhig drei Versionen von "The Modern World" sein, obwohl wir lieber fünfmal "That's Entertainment" gehabt hätten (das leider fehlt). Vgl.: Doppelt genäht hält besser.

Man ist so jung, wie man sich fühlt - Die erste Jam-Single "In The City" erschien ein paar Wochen vor Paul Wellers 19. Geburtstag im Mai 1977. Die Band gab es da in der Besetzung mit Bassist Foxton und Schlagzeuger Rick Buckler schon drei Jahre. Siehe auch: Kindermund tut Wahrheit kund.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten - "Fire and Skill" stand auf den Verstärkern, mit denen The Jam im Punk-Sommer 1976 harmlose Kellerclubs in rotierende Tornados verwandelten und kurze Zeit darauf die Charts stürmten.

Nichts Neues unter der Sonne - Der kleine Paul Weller fragte per Schild: "How can I be a fucking revivalist when I'm only 18?" Na gut, viele seiner Songs klangen sehr nach der Londoner Szene von 1965, aber: Wer "R" sagt, muß auch "&B" sagen, und: Akkorde haben kurze Beine.

Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist - Die Sessions, die The Jam für die BBC aufnahmen, dauerten nie länger als ein paar Stunden. Selbst wer die Originale rückwärts auswendig kennt, den wird die Frische und rohe Energie dieser "spontanen" Aufnahmen angenehm überraschen. Von den Live-Tracks ganz zu schweigen.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - Das ist falsch, aber schöne Bilder machen das Blättern in einem 24seitigen Booklet auch dann lohnend, wenn man den mit Erinnerungen der drei Hauptbeteiligten angereicherten Kommentar dreimal gelesen hat.

Nichts auf Erden währet ewig bzw.: Besser schnell gestorben als langsam verdorben - Lieber eine gute Band auflösen, bevor sie ihren Höhepunkt überschreitet und zu einem peinlichen Nostalgie-Allotria degeneriert. Als The Jam am 11. Dezember 1982 zum letzten Mal live auftraten, waren sie unbestritten die größte Band Großbritanniens. Weil sie auf jegliche Form von Reunion verzichteten, sind sie es vielleicht heute noch. (Alte Liebe rostet nicht.)

Der frühe Vogel fängt den Wurm - Die Drei-CD-Version mit der unverzichtbaren Rainbow-CD als Beilage ist, was immer das heißen mag, "limited". Wir vermuten, daß nicht die Spielzeit begrenzt ist (man könnte ja auf Wiederholung schalten), sondern die Auflage. Vgl.: Was du dir heute kannst besorgen, das suche nicht im leeren Regal erst morgen.


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer