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Frisch gepreßt 50 (November 2002):

(Diverse) - Kruzefix: Kreizkruzefix! (30 Top-Hits der Singles 1998-2002)

"Das dürfen wir nicht! Wir kennen diese Leute!"

"Ist wahr. Sachen verteidigen, wo man selber mit drinhängt ... pfui, pfui, pfui!"

"Mal langsam, werte Gesellschaft! Vor Gericht tut man eben dieses aus Prinzip, sonst wär's Humbug."

"Nun gut. Ausweg: Wir können den Fallstricken der reversiblen Reziprokreferenzialität entgehen, indem wir einfach nur Schlechtes sagen. Alle Schwächen gnadenlos aufdecken!"

(Schrummel, schrammel.)

"Da haben wir's schon! Das ist ein Blues, der hat da gar nichts verloren! Etikettenschwindel!"

"Aber lustig, äh, huch - Einspruch zurückgezogen."

"Und das nächste klingt wie die Stooges. Woah! Und wie das wie die Stooges klingt! Woah! Woooaah!"

(Heftiges Klirren, Plärren, Rumpeln und Rampeln. Es naht ein drohlich-sorgenreich zerkniffenes Gesicht mit verschränkten Unterarmen.)

"Meine Herren, das geht so nicht. Entweder Rock 'n' Roll und Stillsitzen oder Mucke aus und ganze Bande raus!"

"Da haben wir's: Absolut unpraktikabel, die Sache. Kann man nicht hören, ohne Ärger zu bekommen! Großer Nachteil!"

(Wummer, hämmer.)

"Pah! Fuck off, Bonehead, sonst darfst du deine Stühle essen!"

"Weiterhin ist schlecht: FKK-Strandwixer klingen wie durch einen Rasierapparat aufgenommen."

"Das ist doch gerade das Gute!"

"Der Sänger von Pearls For Pigs hört sich an, als hätte man ihm vor der Aufnahme vier Zähne gezogen, ein Bild von seinem Englischlehrer vor die Nase gehängt und behauptet, der sei schuld."

"Na und? Aber der Song ist gut!"

"Thee Electric Gestapo ist produziert wie das erste Ramones-Album. Die Reekys spielen wie die Ramones und singen von ‚Cretins'. Spezial 3000 De Lux verwandeln den sanftesten Kirchenkaplan in einen entfesselten Berserker. Bad News spielen so schnell, daß man nicht mehr auf dem Tisch mittrommeln kann, ohne die Gläser ..."

"Vorsicht! der Wirt kann uns sehen!"

(Brasch, wusch, womm.)

"Twiggy Killers lärmen wie die Milkshakes nach einer Geschlechtsumwandlung. Brownkiller singen dreisprachig. Scrapy und Bluekilla klingen, als hätte man sie direkt aus dem Londoner Sommer 1979 hergebeamt, dasselbe gilt für District und 1978, und die Bluekilla tanzen auch noch The Clash auf dem Rudeboy-Lederhut herum. Analstahl haben einen ungemütlichen Namen und überholen sich selbst. The Revolvers mögen sowieso keine weißen, liberalen Schreiberlinge wie uns. Robert dreht einem irgendwie den Kopf um. Die Bazis beschmutzen die Bayern-Hymne. A.O.S.E. singen schon wieder dreisprachig. Und was die da singen, sollten Minderjährige besser nicht hören: ‚Es gibt keine Regeln, keine Grenzen, keine Wahrheit, keine Werte, keinen Führer, keine Helden, keine Zukunft, keine Ziele ...' Ja Herrgott! Hui!"

(Spring, sing.)

"Vorsicht! Der Wirt kann uns immer noch sehen!"

"Aha! The Monochords: Die haben inzwischen einen Major-Vertrag."

"Um so besser! Punk rules!"

"Genau - Generaleinwand: Punk Rock gibt es überhaupt nicht mehr. Auf dieser Platte ist nichts (Langenscheidts Taschenwörterbuch:) ‚miserabel, nichts wert', sondern soviele Ohrwürmer und garantierte Pop-Hits, daß es ein Wunder ist, daß diese Bands nicht alle einen Major-Vertrag haben und Millionäre sind. Und außerdem können die alle spielen, wie die Wahnsinnigen! Und von wegen No Fun - es deprimiert nicht, tut nicht weh, sondern macht einen Heidenspaß, die ganze Platte von vorne bis hinten anzuhören, am Ende sitzt man dann da, ist glücklich, besoffen, lacht und fühlt sich riesig - da muß ich leider unseren guten Bruder Wirt zitieren: Das geht so nicht!"

"Nicht? Na mein Gott, dann eben nicht."


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer