Ich glaube, das meiste, was in diesem Text vorkommt, stimmt. Geschrieben wurde er irgendwann in den Jahren 1996 bis 2002, in sporadischen Episoden, weil ich nie recht wußte, was das ganze eigentlich soll und wo es hinführen könnte. Manchmal war es die Grundlage für einen Roman (dem aber kein rechter "Plot" wachsen wollte), manchmal irgendwas anderes. Richtig überarbeitet worden ist der Text nie, und ob er irgendwann in irgendeiner Form gedruckt erscheint, ist ganz und gar nicht zu sagen. Doch immerhin: ein kleiner Ausschnitt daraus zierte im Frühjahr 2004 die "Wahrheit"-Seite der taz.

INHALT

1 - »CSU« und Fußball

2 - Autos und Aschentonnen

3 - Fernsehen und Väter

4 - Gehorsam und Strafe

5 - Räder und Schrauben

6 - Töpfe und Flaschen

7 - Agenten und Millionen

8 - Kekse und Kassettenrekorder

9 - Freunde und Verbote

10 - Häuser und Hausmeister

11 - Wolken und Jahre

12 - Fenster und Bilder

13 - Zäune und Duschen

14 - Natur und Scheiße

15 - Wackeln und Weggehen

Autobiographisches

Junger Unfug

 
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JUNGER UNFUG

8 - Kekse und Kassettenrekorder

Zu Hause war mein Unfall Thema aller Geschichten. Von einem Lastwagen überfahren zu werden, war noch keinem gelungen, außerdem durfte ich noch zwei Wochen daheim bleiben. Da meine Mutter vormittags arbeitete, saß ich dann mit meinem Vater - der Spätschicht hatte - auf dem Spielplatz vor dem neuen Haus, wo er jetzt wohnte. Die Bäume waren noch kahl und die Wiesen voller matschigem Laub, aber ich bekam Kekse und Limo, und außerdem durfte ich sowieso nicht laufen. Die anderen Kinder kamen von der Schule und standen neben der Bank, grinsten und hörten bewundernd, daß ich noch eine Woche frei habe.

Ein paar Wochen später wurde der ältere der beiden kastenförmigen Jungen überfahren, nicht nur von einem Lastwagen, sondern gleich von einem Betonmischer, der ihm außerdem noch über die Hände fuhr. Zu allem Überfluß bekam er im Krankenhaus von seinen Eltern einen Kassettenrekorder. Der gleichaltrige Junge und ich standen neidisch im Fahrradkeller vor der Ruine des vom Betonmischer plattgewalzten Rades und wünschten uns einen Kassettenrekorder. Er bekam ihn kurz darauf, ich erst viel später.

(Fortsetzung: Teil 9)

 

 

 


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