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Inhalt

(Einführung)

Kapitel 1

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Kapitel 2

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

Kapitel 3

Teil 1

Teil 2

Kapitel 4

Kapitel 5

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Kapitel 6

Teil 1

Teil 2

Teil 3

DIE VERRÜCKTEN STEHEN IN DER SONNE - ein Roman (Kapitel eins, Teil fünf)

Keiner hat mein Verschwinden bemerkt, weil keiner mehr irgendwas bemerkt. Lulu liegt neben der Wohnungstür, die rechte Hand in Tinas Hose; sie hat die Augen geschlossen und den Kopf auf die Schulter fallen lassen. In den Dröhnzimmern hat sich die Lautstärke verdoppelt und die Zahl der Menschen halbiert, eigentlich springen fast nur noch Kelly und Track durch die Gegend, David hampelt daneben rum, mit unglaublich begeistertem Gesicht und fahrigen Bewegungen, die wohl irgendwas ausdrücken sollen.

Cag steht am Fenster und raucht einen krumpeligen Joint. Na, Alter, ich lege ihm die Hand auf die Schulter, und er reicht mir das Teil, ohne den Kopf zu bewegen, starrt nach draußen, als suchte er sich selbst da irgendwo in den erkalteten Straßen oder den gegenüberliegenden Fenstern, in denen die Nacht Zuflucht gefunden hat.

Ich ziehe erst mal vorsichtig, will meinem Magen nicht grundlose Unverschämtheiten zumuten; außerdem gefällt mir mein momentaner Zustand: quasi nüchtern und über allem. Als hätte ich schon Bruderschaft getrunken mit der kalten Ruhe, die die anderen noch erwartet. Cag sieht mich an, was hältst du von Deedee. Ich bin überrascht, wieso, was soll ich jetzt von Deedee halten. Ich meine, er geht mir auf den Sack, sagt Cag wieder in die Nacht hinaus. Und er ist schließlich dein Sänger. Mal halblang, wende ich ein, ich bin sein Bassist, ich spiele seine Musik, das hat mit mir gar nichts zu tun. Wirklich nicht, sagt er, ich dachte, du stehst drauf.

Seltsam: ich kann weder antworten noch mir vorstellen, jemals wieder mit Deedee auf irgendeiner Bühne zu stehen. Er hat was, oder nicht, sage ich und füge gleich hinzu, irgendwie wohl doch nicht, ich weiß nicht. Alles hat sich so geändert. Wir sollten was zusammen machen, sagt Cag, ich meine, wirklich etwas zusammen machen, nicht diesen Quatsch mit der Serie, ganz was anderes, viel mehr, richtige Musik, irgendwas. Ich weiß nicht wieso, aber ich liebe ihn in diesem Moment, vielleicht weil er für die Serie dasselbe Wort verwendet hat wie ich es Deedee gegenüber getan habe.

Wir haben zwei Monate Zeit, sage ich, bewußt bedeutend, ein halbes Leben.

weiter: Kapitel zwei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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