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Inhalt

(Einführung)

Kapitel 1

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Kapitel 2

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

Teil 7

Kapitel 3

Teil 1

Teil 2

Kapitel 4

Kapitel 5

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Kapitel 6

Teil 1

Teil 2

Teil 3

DIE VERRÜCKTEN STEHEN IN DER SONNE - ein Roman

VIER

Über dem allgemeinen Geplapper und Gelalle, gelegentlich durchstochen von grölendem oder schrillem Gelächter, dudelt alter Blues-Rock, ein Mann mit amerikanischem Akzent beschwört immer wieder, daß jeder ein hungriges Herz hat; Stammtische von Ewigkeits-Studenten sind mit Haaren verhängt, am Tresen aufgereiht Bierbäuche in Jeans, die sich gelangweilt an ihren Gläsern festhalten und versuchen, einen Blick zustande zu kriegen; einer sitzt einsam neben dem Ofen über einem Haufen Din-A-4-Blätter, hebt nur zum Bestellen und Rauchen den Kopf und sieht uns dabei an, als ahnte er irgendwas Böses, was ihm völlig egal ist; an unserem Tisch hocken sechs Leute mit Gesichtern in unterschiedlichen Stadien der Auflösung.

Die Keule, grumbelt Claudia mal wieder vor sich hin, höchstens viertelt in meine Richtung, den Rest demonstrativ an die Tischkante; ich mache eine Handbewegung, als wollte ich Fliegen vor meinem Gesicht verscheuchen. Die Keule, murmelt sie noch mal, schüttelt langsam den Kopf und glotzt dabei die Tischkante an wie jemand, der über den Einsturz seines gerade fertiggebauten Hauses nicht erstaunt ist. Kannst du mal von was anderem reden, ich, und sie, wieso sollte ich. Mir kommen die Wörter auch nicht mehr ganz leicht über die Lippen: als wäre die Synchronisation zwischen Stimmbändern und Mund irgendwie aus der Reihe geraten. Also bestelle ich noch ein Bier und sie auch, einen Schnaps dazu, also bestelle ich auch einen Schnaps.

Was hast du eigentlich, frage ich, die dümmste Frage, die mir einfallen kann. Was werde ich wohl haben, sie, auch nicht sehr geistvoll.

Vor zwei Tagen habe ich Julia zu ihrem Treffpunkt mit Babs gefahren, deren Wohnung in Bogenhausen, wobei wir natürlich gleich in meiner, unserer Straße Claudia über den Weg laufen mußten. Die stellte sich blind; oder so, als interessierte sie sich ungemein für die Anordnung verschiedener kleiner Steinchen im Mauerputz. Also habe ich beschlossen, in die Offensive zu gehen, bin heute nach Drehschluß in unsere alte Stammkneipe und gleich auf sie zu und, wie führst du dich eigentlich auf. Sie war einen Moment lang überrascht, sagte dann gar nichts, sah mich nur an, so ungefähr, was fällt dir denn ein, mir auch noch Fragen zu stellen.

Seitdem sitzen wir nur da und betrinken uns, und sie murmelt ab und zu, die Keule. Du willst unsere Beziehung beenden, glaubst du, man merkt das nicht, sagt sie ungewöhnlich deutlich. Quatsch, sage ich, ohne zu wissen, ob ich das wirklich nicht will oder doch. Könnte sein. Ehrlich gesagt habe ich mir darüber keinerlei Gedanken gemacht, bis jetzt. Der Schnaps macht mich moralisch. Rührselig. Und deine komischen Freunde, sagt sie; und ich denke, sie hat ja recht, was soll das Ganze eigentlich.

Müßt ihr pausenlos streiten, fragt ein zum Kneipeninventar gehörender alter Freund von der anderen Tischseite und sieht uns mit wackelndem Kopf aus zusammengekniffenen Augen an, ehe ihm die Zigarette aus der Hand und in sein Bierglas fällt. Zisch, ich, die ist aus, und er, Scheiße. Ein Grund zum Lachen, der sehr gelegen kommt. Also lacht erstmal der ganze Tisch. Um dann sofort, wie das nach solchen Lach-Intermezzos üblich ist, verschiedene Namen von Kneipen durcheinander zu brabbeln, in denen wir den späteren Abend verbringen und versumpfen könnten. Wir gehen in die Bodega, wiederholen schließlich alle, als der Name mehrmals gefallen ist.

Die Bodega ist winzig klein, drei Tische, an jedem davon quetschen sich bereits an die zwanzig Leute zusammen, als wir gegen halb zwei eintrudeln. Dazwischen stehen ebenfalls Massen von Leuten; der erhöhte Tresen ist kaum zu erkennen, außer wenn ab und zu jemand über eine Stufe stolpert und die anderen mit umreißt, bis sich endlich einer am Barhocker festklammern und das ganze unmutig aufschreiende Menschendomino auffangen kann; auch nur zu erahnen der Vorraum zu Küche und Toilette, wo ein wildes Gelache, Getorkel und Gesaufe stattfindet. Stellen wir uns oben in die Ecke, sagt jemand, der die Augen kaum mehr aufbringt, steigt auf einen sehr niedrigen Hund, es dauert Minuten, bis das Quietschen des Tiers und das Gemotze seines aus dem Halbschlaf gerissenen Besitzers sich wieder beruhigt. Was trinkst du, frage ich Claudia, die nuschelt, tut mir leid, ich habe noch ein Rendezvous. Billig, denke ich, und daneben.

Was soll's, sage ich an ihr vorbei. Wir bestellen Bier, lachen durcheinander und plappern irgendwas, dazwischen läßt der Flachhund immer wieder ein kurzes Echo von seinem Schmerzgeheul hören, das der Besitzer mit Brummeln beantwortet. Sie hat die Kneipe verlassen, ein paar Blicke im Rücken. Was ist nur mit euch los, fragt der Zigarettenakrobat, der Claudia länger kennt als ich. Sieh dir doch an, was mit ihr los ist, antworte ich, und er zieht angestrengt an seiner Zigarette und versucht, nicht nach vorne umzukippen.

Es dauert keine zehn Minuten, bis sie zurückkommt. Wie war dein Rendezvous, ich, und sie, halt's Maul. Dabei grinst sie mich an, wie sie immer besoffen grinst, leicht verwegen und über sich selbst amüsiert, aber das Gesicht nicht ganz richtig zusammengebaut. Langsam geht der Abend in die Brüche; ich spüre, daß ich einigermaßen zuviel getrunken habe und irgendwas in mir dem Ausgang zustrebt. Gehen wir, frage ich Claudia, und sie, du gehst. Du kommst nicht mit, ich, sie wartet ein wenig; sagt dann, als hätte sie sich für diesen Satz unwahrscheinlich sammeln und konzentrieren müssen, das erkläre ich dir noch. Kleiner. Vielen Dank, lasse ich neben ihr stehen.

Am nächsten Tag stolpere ich mit ziemlich breitem Kopf aus dem Bus aufs Set und falle fast in einen Tisch mit einer Batterie Sektflaschen, der im Aufenthalts-Wohnwagen steht. Was'n hier los, frage ich Cag. Jorgo hat Geburtstag, sagt der, außerdem sind zwei Schnapsklappen fällig, Folge elf, Bild elf, die elfte, und noch eine. Jorgo ist Merias Regieassistent, ein dünner, stiller, kleiner Grieche mit großer Nase und weichen Augen, dessen Freundlichkeit und Mitgefühl nicht zu überbieten sind, der außerdem durch ein geradezu biblisches Maß an Geduld und Übersicht für diesen Job wie eigens angefertigt ist.

Herzlichen Glückwunsch, sage ich zu Jorgo und gebe ihm die Hand. Er hat sein riesiges Buch mit Anschlußnotizen und Polaroids auf dem Schoß liegen und sieht mich so sehr erfreut an, als wäre dieser Glückwunsch das Schönste, was ich für ihn tun kann. Dabei fällt mir auf, daß ich es wirklich ernst meine und ihn sehr mag. Oder nur neue Kontakte im Team suche nach der Geschichte mit Cag und Track, denke ich, und dann, Quatsch.

Mittags trinken wir also alle Sekt, jeder der etwa zwanzig Leute scheint Jorgo ganz besonders gern zu haben, jedenfalls sammelt sich immer wieder ein neuer Chor, der improvisierte Moritaten und Geburtstagslieder singt. Jorgo sitzt mit gelähmtem Grinsen in der Mitte, ist sehr klein und freut sich; seine Augen glänzen dermaßen, daß das nicht nur vom Sekt kommen kann. Meria hat schon ein Glück, sagt Wally zu mir. Hat sie, ich, und sie, ihr auch, ihr Bande. Ihr großmütterlicher Ton versöhnt mich mal wieder mit allem, ich grinse in Cags Gesicht und stoße mit ihm an. Alter Freund, sage ich, und er, na, Bruder.

Nachmittags haben wir drehfrei, bleiben aber am Set und sehen Maximilian zu, der so was ähnliches wie den Chef eines Plattenladens spielt. Er betont jede Bewegung, modelliert jeden einzelnen Satz so, als hätte er gerade das Sprechen erfunden. Dabei fällt sein wuchtiger Körper durch die Szene, als könnte ihn der Raum kaum halten. Wir amüsieren uns, und Meria ist sehr zufrieden. Ich habe gestern die Muster von Rosa und dir gesehen, nimmt sie mich in einer Pause am Arm, sie sind sehr schön. Dabei strahlt sie mich an wie einen Musterschüler. Der restliche Sekt wird nach Drehschluß in einer ziemlich hektischen Aktion vernichtet, im Stehen, wobei Jorgo ungewöhnlich laut mitteilt, ich danke euch allen und wir treffen uns um zehn im Moonlight Mile.

Die anderen sind leicht zu finden: ein brodelnder Menschenberg über einem nicht sichtbaren Tisch. Gläser werden in die Luft gestreckt, und weit geöffnete Münder brüllen durcheinander, alle zur selben Zeit. Kaum einer bemerkt, daß ich dazukomme. Lina sitzt am Rand der Bank neben Track, der ihr distanziert und belustigt zuhört, während sie sehr eindringlich auf ihn einredet. Ich quetsche mich neben sie, und Track sagt laut genug für meine Ohren, da ist Mojo, der ist Krebs, was sagt dir das. Du bist Krebs, das wußte ich nicht. Lina sieht mich an, als hätte ich ihr mein Sternzeichen als Geschenk überreicht. Was macht das, ich, und sie, oh, das ist schwer zu erklären. Dabei grinst sie mich geheimnisvoll und mit einer plastikartigen Gefährlichkeit an. Aha, ich, und sie, schade. Was ist schade, will Track wissen. Schlechtes Timing, erkläre ich ihm.

Immer wieder sammelt sich die Aufmerksamkeit der Runde um Jorgo, der etwas sagen soll, los, sag doch, Jorgo. Er grinst aber nur, worauf ihm jemand auf den Rücken klopft und alle ihre diversen Bier-, Wein- und Sektgläser zusammenstoßen. Meria packt schließlich Jorgo am Handgelenk, zieht ihn über die Bank auf den Tisch, wo sie unter schreiendem Gelächter und wildem Gejohle tanzen, bis Meria runterfällt. Jorgo springt hinterher, sie umarmt ihn auf dem Boden und schreit, ich lade euch alle noch zu mir ein.

Bei Meria explodiert die Stimmung regelrecht: während sich die letzten Eintreffenden noch die Jacken vom Leib reißen und draußen neue Taxis halten, werfen die anderen schon Gläser durch die Gegend, tanzen, daß der Boden herzschlagartig bebt; entladen sich in Gelächter und Geschrei, das anstrengend wirkt und sich anhört, als gälte es herauszufinden, wer sich am schnellsten totamüsieren kann. Lucky in love, brüllen alle im Chor, als hätten wir den Song gerade gemeinsam erfunden oder von einem Gott mit flammender Hand überreicht bekommen.

Nur Cag sieht mich immer mal wieder seltsam an. Was ist los, Alter, frage ich ihn. Er zieht an einem Joint, hält den Rauch in den Lungen, bis die Augen rot werden, den Blick auf mich gerichtet, leicht verzerrt von der Anstrengung des Atemanhaltens. Dann bläst er mir die Wolke ins Gesicht, scheint einen Moment lang zu überlegen, sagt, ach was; reicht mir den Joint.

Langsam ermüdet das Chaos, immer mehr Leute fallen auf Sofas oder einfach auf den schmierigen Moden, schnaufen wie nach einer endlich vollbrachten Großtat individueller Befreiung, schütten sich verschiedene Flüssigkeiten in die von Anstrengung und Rauch verkarsteten Kehlen. Der eine oder andere sucht seine Jacke oder Tasche oder sonst was, schüttelt Jorgo die Hand, umarmt Meria und flüchtet nach draußen. Ich werde jetzt dann verschwinden, verkündet Track der Welt, wen soll ich mitnehmen. Cag und ich bewerben uns, Kelly ist irgendwohin zum Schlafen verschwunden, Deedee sitzt in der Küche und diskutiert mit jemandem, den ich noch nie gesehen habe, über Heilkräuter. Also werfen wir uns zu dritt in Tracks neuen Opel Kapitän. Neu für ihn, das Baujahr des Wagens fand vor unser aller Geburt statt.

Habt ihr Deedee gesehen, frage ich, aber der Heiterkeitswert ist gering. Ja ja, Deedee, krabbelt aus Tracks Mund, und Cag, und was ist mit Julia. Wie, Julia, frage ich mit schlecht gespielter Verwirrung. Julia und unsere Beziehung, sagt Cag sehr philosophisch, das ist nichts. Unsinn, ich, und er, sie zerstört unsere Beziehung. Welche Beziehung, denke ich, ihr eifersüchtigen Neidhammel. Sie will uns fertigmachen, sagt Track zu seiner Windschutzscheibe. So so, antworte ich; dann schweigen wir bis zu meiner Haustüre.

Die folgenden zwei Drehtage sind mehr als anstrengend. Wir drehen nachts, im Freien, teilweise im Wasser, mit einem Feuerwerk, das uns per Windmaschine in die Augen geblasen wird, worauf der drahtige, irrsinnig aussehende Berufsfeuerwerker mit den Requisiteuren Streit anfängt, weil sie seine bunten Rauchbögen durcheinanderbringen; mit a-cappella-Gesang, endlosen Szenen und massig Leuten. Alles muß wahnsinnig schnell gehen, als endlich am zweiten Tag die letzte Szene mit einer Horde von Darstellern und dem unvermeidlichen Schlußchaos dran ist, dämmert es schon, und alle schreien entnervt durcheinander; Meria gerät sogar mit Wally aneinander, weil die uns eine Minute zu lang schminkt, klatscht und schreit an ihrem Ohr vorbei, so bitte, Darsteller jetzt, so, bitte; dann hat Deedee ein Kleidungsstück im Wagen vergessen, das er in der Anschlußszene davor noch trug, und wir müssen alles wiederholen.

Die Vögel zwitschern, was sie nachts nicht tun, also brauchen auch noch ein paar Leute Körpermikrofone, und die Hintergrundmusik wird so laut gedreht, daß sie uns in den Ohren klingelt. Dann ist die Einstellung im Kasten, und jeder geht seiner Wege, als würde sich niemand kennen. Wenigstens keine Zeit und kein Nerv für irgendwelche Gespräche, denke ich, als ich im Bus sitze. Marco läßt sich überreden, seine Metaxaflasche rauszurücken, und ich trinke drei lange Schlucke; fühle, wie sich alles in mir entspannt: als lösten sich meine Muskeln auf wie warme Butter.

Guten Morgen, lacht mir David entgegen, als wir uns im Treppenhaus begegnen. Wann kommst du heim, frage ich, er, um vier. Laß uns in den Biergarten fahren, ich, und er, na klar. Droben falle ich wie ein Stein ins Bett und bin zu erschöpft, mich auszuziehen oder irgendwas zu träumen, oder ans Telefon zu gehen.

Der Biergarten ist fast leer, zu heiß für die einen, die anderen hocken noch in der Arbeit; nur ein paar offenbar angeschraubte Stammgäste rösten ihren Oberkörper, lesen Zeitung oder halten einfach nur das Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne. Wir sitzen an einem Tisch im Schatten, David sagt Prost, und wir stoßen die Krüge zusammen. Vor drei Tagen haben wir das Haus deiner Schwester abgerissen, erzähle ich ihm von Jorgos Geburtstagsparty. Ich weiß, grinst er, ich soll ihr beim Renovieren helfen. War lange nicht mehr am Set, er, und ich, machst du keine Fotos mehr.

Vor Monaten hat er mir erzählt, Meria plane ein Buch mit Bildern und den Geschichten der einzelnen Folgen, das parallel zur Serie erscheinen solle. Was ist mit dem Buch, ich, und er, wird wohl nichts. Irgendwann war auch geplant, die Musik zur Serie als Platte herauszubringen, aber auch davon redet in letzter Zeit niemand mehr. Auch mir fällt es erst jetzt wieder ein, mit einem Gefühl, als säße ich in einem großen Kino, und wie das Licht angeht, bin ich der einzige, der bis zum Schluß geblieben ist. Den Leuten scheint einiges aus dem Ruder zu laufen, sage ich, und David, nicht nur den Leuten.

Abends werfe ich einen Blick durchs Fenster in die alte Stammkneipe. Claudia und ein paar andere hocken am Tisch, sie schwankt im Sitzen und redet in einen Aschenbecher, die anderen ziehen an Zigaretten oder schauen in die Luft: so ist das Leben. Mir vergeht die Lust, ich gehe nach Hause und verbringe den Abend mit David vor dem Fernseher, in dem verschiedene Politiker versuchen, sehr aufgebracht zu wirken. Gegen Mitternacht, wir sind in einen Joint und einen russischen Problemfilm vertieft, platzt das Telefon in einen langen Moment gläserner Ruhe.

Du Lügner, zischt mir aus dem Hörer entgegen. Was, ich, und die Stimme, du und die Keule. Hör zu, Claudia, sage ich, nenne sie beim Namen, um ein bißchen Luft in den Nebel in ihrem Hirn zu blasen, laß das sein. Du bist ein Schwein, sie, und ich, laß das bleiben, ich will das nicht. Sie wirft mir noch diverse Schimpfwörter entgegen; als ich mir schließlich einen einigermaßen versöhnlichen oder zumindest beruhigenden Satz zurechtgebogen habe und dazu ansetze, legt sie auf.

Also sitze ich am nächsten Tag neben ihr am Kneipentisch, aber sie hat offenbar alles vergessen, das Geschrei am Telefon, die Beschimpfungen, alles; wir tasten uns durch ein belangloses Gespräch: ich vorsichtig, sie in sich zurückgezogen; reden mehr aneinander vorbei als ineinander hinein, lachen ein bißchen, ich brüchig und unsicher, sie nur für sich selbst. Telefon für dich, ruft einer vom Tresen, ich bin überrascht, weil mich hier kaum jemals jemand angerufen hat.

David ist dran. Julia hat gerade angerufen, er, und ich, wo ist sie. In München, sagt er, im Moonlight Mile.

Was strahlst du so, fragt mich Claudia, als ich wieder am Tisch stehe. Ich habe ein Rendezvous, ich, und sie, du mußt einem auch alles heimzahlen. Kann sein, sage ich, aber das meine ich nicht so; ich will mich nur in nichts mehr verstricken, sage Ciao und gehe.

weiter: Kapitel fünf


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