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Inhalt

Warm, irgendwie

Nachbarn und Bastarde

Der Fluch des Rückstrahlers

Eisern am Bach

Mord im Regal

Lieber lesen

Der Sonne entgegen

Unter Freunden

Dreißig tote Fernseher

Ladenschluß

Vergleichsweise

Ausklang

Jäger und Sammler

In Kreisen

Ausgeschmiert

Kehraus

Maskerade

Verwehungen

Bio-Gift-Alarm

Entbehrungen

Umstellung

Gesundheit!

Verkehrs-beunruhigung

Generalprobe

Schwierige Entsorgung

Not-Lösungen

Friede!

Nächste Runde

Kernkompetent

Wildmoser raus!

Fisch, Ei und Bier

Leberkäs und Kirschen

Ehrensache

Auf dem Stimmviehmarkt

Folgenreiche Vorsicht

Rätselhaftes Brummen

Nicht strafwürdig

Erinnerungsstücke

Verheizt

Verdrahtet

Wohnen und Arbeiten

Goldene Worte

Beförderungs-erschleichung

Ein Sprachwächter

Ausblicke

Fliegende Marmeladengläser

Eisiges Risiko

Babylon

Nächtliche Glocken

Bioweißbierpraktikanten

Grün gerettet

GENERALPROBE

er Taxifahrer traut seinen Augen kaum, als er Herrn Reithofer sieht. Der ist fast vollständig schwarz und verkrustet und blutet heftig aus einer Wunde am Ohr. Ein strenger, aber ungewöhnlich süßlicher Schwefelgeruch umweht den Versehrten. "Ja, was haben denn Sie gemacht?" fragt der Fahrer. Dreimal dürfe er raten, was so einer gemacht habe, so kurz vor Silvester, blafft Frau Reithofer, die dem Fahrer einschärft, ihren Mann auch wirklich ins Schwabinger Krankenhaus zu fahren und nicht zum Stammtisch oder sonstwohin.

Er habe, erklärt Herr Reithofer, bloß dem kleinen Fritzi aus dem dritten Stock, den er beim Herumhantieren mit Knallkörpern im Keller erwischt habe, zeigen wollen, wie man einen Kanonenschlag zu einer anständigen Rohrbombe umbaut, und dabei sei er mit der Handsäge abgerutscht, worauf ihm die Zigarette in die Tüte mit den Knallfröschen und Schwirrkreiseln gefallen sei.

"Oh jemineh!" sagt der Taxifahrer. "Das Malheur kann ich mir vorstellen!" Gar nichts könne er, brummt Herr Reithofer. Es sei nämlich praktisch kaum etwas passiert. Ein bißchen ein Remmidemmi habe es halt gegeben, als die ganze Tütenladung in die Luft gegangen sei. Dann aber sei der alte Hammler, obwohl dieser schon seit Jahren kein Hausmeister mehr ist, in den Keller heruntergerumpelt gekommen und habe gebrüllt, was da los sei, weil er vor lauter Rauch natürlich nichts sehen konnte. Er selber sei, um eine peinliche Begegnung und unnötiges Aufsehen zu vermeiden, mit dem Fritzi durch eine Luke in den Heizkeller geklettert, in welchem sich ein großer Öltank befinde, auf den man bäuchlings gekrochen sei, um abzuwarten, bis der sozusagen selbstentrentete Hausmeister sich wieder verziehe.

Habe der aber nicht getan, sondern nach Einsicht in die Ergebnislosigkeit seiner Suche nach den Urhebern den Herd des Lärms inspiziert und dabei abfällige Bemerkungen fallenlassen. Dies habe ihn so erbost, daß er ihn zur Rede gestellt habe. Ob man hier vielleicht im Irrenhaus lebe, habe der Hammler gebrüllt; er könne doch nicht einen Kanonenschlag zur Rohrbombe umbauen, ohne ihn mit einer gezwirbelten Lunte zu versehen; das sei ja unverantwortlich. Über die Zweckmäßigkeit einer solchen sei man etwas in Streit geraten. Also habe man beschlossen, beide Varianten einem Realtest zu unterziehen.

Bei der ersten Testsprengung (ohne Zwirbellunte) habe es ihm die sechs Pfund Lebkuchen, die er als Dämmfülle genommen habe, gleich dermaßen um die Ohren gehauen, daß er gar nichts mehr gesehen habe. Das Zeug sei wohl zu hart gewesen, weil die Tante Agathe wie immer bloß die Überbleibsel von vor zwei Jahren auf ihren Weihnachtsbesuch mitgebracht habe. Am besten hätte er die Tante Agathe selber als Dämmfülle nehmen sollen, aber die sei nach dem zweiten Feiertag endlich doch noch abgereist. Zu allem Überfluß sei er vorneherum mit Heizöl getränkt gewesen, weshalb noch vor der zweiten Sprengung seine Kleidung in einen Schwelbrand geriet. Da habe er sich in den Sandkasten im Hof retten müssen. Seine dortigen Wälzvorgänge habe der Stiefvater des seinerseits längst vergessenen Fritzi mitbekommen, der aus irgendeinem Grund fuchsteufelswild gewesen sei und ihm eine Blechschaufel auf den Kopf gehauen habe. Das Eintreffen der Polizei habe er nicht mehr abgewartet.

Ob er denn seine Versuche an Silvester fortzusetzen gedenke, fragt der Fahrer. Er sei wohl wahnsinnig, entgegnet Herr Reithofer. Das sei in dem allgemeinen Rambazamba von herumfliegenden Raketen und besoffenen Böllerschützen doch viel zu gefährlich. Und außerdem bekomme sein Meisterwerk da sowieso keiner mit.


e-mail:michael sailer | impressum | Michael Sailer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Huch?