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Inhalt

Warm, irgendwie

Nachbarn und Bastarde

Der Fluch des Rückstrahlers

Eisern am Bach

Mord im Regal

Lieber lesen

Der Sonne entgegen

Unter Freunden

Dreißig tote Fernseher

Ladenschluß

Vergleichsweise

Ausklang

Jäger und Sammler

In Kreisen

Ausgeschmiert

Kehraus

Maskerade

Verwehungen

Bio-Gift-Alarm

Entbehrungen

Umstellung

Gesundheit!

Verkehrs-beunruhigung

Generalprobe

Schwierige Entsorgung

Not-Lösungen

Friede!

Nächste Runde

Kernkompetent

Wildmoser raus!

Fisch, Ei und Bier

Leberkäs und Kirschen

Ehrensache

Auf dem Stimmviehmarkt

Folgenreiche Vorsicht

Rätselhaftes Brummen

Nicht strafwürdig

Erinnerungsstücke

Verheizt

Verdrahtet

Wohnen und Arbeiten

Goldene Worte

Beförderungs-erschleichung

Ein Sprachwächter

Ausblicke

Fliegende Marmeladengläser

Eisiges Risiko

Babylon

Nächtliche Glocken

Bioweißbierpraktikanten

Grün gerettet

NÄCHSTE RUNDE

ie der Jackie am Nachmittag aufgewacht ist, war eigentlich alles wie immer: ein Mords-Schädel, lauwarme Lauge im Bauch und das verschwommene Gesicht von irgendeinem Hasen, zu dem ihm kein Name eingefallen ist. Das Gesicht hat "Tschüssi!" gesagt und ist in den kalten Rauchschwaden verschwunden, dann hat die Tür geklappt und der Jackie war mit dem Malheur allein. Macht nichts, hat er sich gedacht, schlaf ich eben bis morgen weiter, wie immer. Diesmal hat er aber vergessen, das Telephon auszustecken, und wie er das jodelnde Gerät in dem riesigen Tohuwabohu von Klamotten, leeren Flaschen, Gerümpel und undefinierbarem Party-Pipapo endlich gefunden hat, war ausgerechnet seine Mutter dran und wollte ihm ein neues Jahr wünschen, aber weil dem Jackie auf so einen Schmarrn beim besten Willen keine Antwort eingefallen ist und er außerdem festgestellt hat, daß er in einer Salamipizza steht, die unter Umständen (seine Fußsohlen sind noch nicht wach genug gewesen, um das genau zu beurteilen) sogar schon einmal jemand gegessen gehabt hat, da hat er einfach wieder aufgelegt, und dann hat es sofort wieder gejodelt, und jetzt hat sein Vater ziemlich ungehalten gebrüllt, wie er mit seiner Mutter umspringt und daß es ihm jetzt reicht mit diesem Herumgelumpe. Diesmal war der Jackie Zweiter beim Auflegen, weil ihm der Schreck in die Glieder gefahren ist, weil ohne das Geld von seinem Vater wäre er ja aufgeschmissen.

Aber dann ist ihm die Idee gekommen, daß er ja einen guten Vorsatz fassen könnte, zum Beispiel den, sich einen Job zu suchen. Da bräuchte er bloß den dicken Kerl anrufen, der ihm schon seit Monaten anbietet, als Klatschreporter bei seinem Szene-Heftl einzusteigen. Nach dem zweiundzwanzigsten Tüten ist ein unentschlossenes Würgen und Husten ertönt, und der Jackie hat gefragt: "Na, schon gute Vorsätze gefaßt?" - "Klar! Nie mehr Insolvenz anmelden, hahaha!" hat die vertraute Stimme gedröhnt, aber dann hat der dicke Kerl gemeint, der Jackie solle ihm nicht mit diesem Gewissenszeug kommen, er müsse schließlich auch von irgendwas leben; und schon hat er wieder aufgelegt gehabt.

"Wie meinst jetzt du das mit einem guten Vorsatz?" hat als nächste die Jacqueline gefragt und gesagt, wenn das wieder so eine Idee mit eingeölten Bürstenkondomen oder so was sei, dafür könne er sich eine andere Schnecke suchen. Da hat der Jackie kalte Füße gekriegt, aber nicht wegen irgend was und trallala, sondern bloß weil er immer noch in der Pizza gestanden ist. Die Violetta, die der Jackie sonst generell nicht anruft, weil der Hubsi gemeint hat, daß die sowieso lesbisch ist, was die Jacqueline aber schon damals nicht geglaubt hat, als die Violetta noch mit dem Hubsi zusammen war, und jetzt erst recht nicht, die hat noch gar nicht richtig sprechen können und ihn am Telephon natürlich auch nicht erkannt, und am Ende hat sie dann geröchelt, er solle ihr noch einen Absinth bringen und in Herrgottsnamen bitteschön endlich den Aschenbecher ausleeren und sie möchte dann zahlen. Der Hubsi hat gesagt, daß gute Vorsätze schwul sind und ob er schon gehört habe, daß der Moshammer mit seinem Hund zu einer Spezialklinik im Tessin unterwegs ist, weil er, also der Hund, beim Gassigehen einen aufgeweichten Chinaböller verschluckt hat, und daß die Christiane zu Salm auf der Weihnachtsgala von der Ohoven drei ganze Hummer geklaut hat, in ihrer Handtasche! obwohl er das Letztere nicht genau wisse, weil er selber nicht dabei war, bloß der Helli, der ja ein notorischer Lügner und in Wirklichkeit von seinen Eltern enterbt worden sei und seit seinem Auftritt bei Gibson, Dunn & Crutcher überall Hausverbot habe, sogar in der Sieben, aber dafür habe er erfahren, daß der Robbie Williams die alte Wohnung von der Barbara Valentin kaufen will, weil er demnächst einen Queen-Song aufnimmt, und das Ganze könne er ihm aber bei einem steifen Grog im Café Schwabing viel besser erzählen.

Das sind dann ein paar mehr Grogs geworden, und weil die so gezuckert waren, haben der Hubsi und der Jackie noch ein paar Weißbier hinterhergezischt; dann ist der dicke Kerl von dem Szene-Heftl reingeschneit und hat was von einer Secret-Party bei der Gräfin Frack zu Sausen erzählt, und das letzte, was der Jackie noch weiß, war, daß der Hubsi gelacht hat wie ein alter Ferrari und immer "Sekret-Party!" gebrüllt hat und daß er selber, wie er später irgendwo die Kellertreppe hinuntergeflogen ist, sich gedacht hat: Es ist ja eh wurscht, die Alten rufen ja erst nächstes Jahr wieder an.


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer