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GOLDENE WORTE Davon hat der Jackie nichts mehr verstanden, aber mitgegangen ist er dann doch in das Lokal, wo ihm gleich am Eingang eine sagenhaft hübsche Studentin in einem sagenhaft ausgeleierten Pullover eine Liste hingehalten und gefragt hat, ob er sich eintragen wolle; und der Jackie unterschreibt zwar normal nie gegen irgendwas, weil ihm so Sachen wie Hochhäuser und Trambahnen durch den Englischen Garten vollkommen wurst sind; aber weil er halt dranbleiben wollte, hat er einfach aus Spaß "Monacofranz" und seine Telephonnummer in die Liste hineingeschrieben, ist sich wahnsinnig schlau und originell vorgekommen und hat den Hasen gefragt, ob sie auch dichte. Das hat sie aber wahrscheinlich gar nicht gehört, weil der Andrang so groß war. Der Hubsi und der Jackie haben sich am Tresen ein Bier bestellt und gewartet, was passiert. Zuerst haben zwei Studentinnen, die längst nicht so hübsch waren wie die an der Kasse, Sachen vorgelesen, von denen der Jackie nur mitgekriegt hat, daß es wohl um Typen geht, weil das Wort "Liebster" so oft vorgekommen ist. Dann ist ein komischer Kerl mit einem komischen Künstlernamen auf die Bühne gestiegen und hat ein paar Witze erzählt, die der Jackie nicht verstanden hat, und danach noch so ein Hansel, der zwar offenbar nicht lustig sein wollte, den der Jackie aber erst recht nicht verstanden hat, und wie er dem Hubsi beim fünften Bier gerade erklären wollte, daß diese Typen alle miteinander dermaßen schwul sind, hat es geheißen, daß jetzt der "Monacofranz" etwas vorträgt, und da ist dem Jackie eingefallen, daß er das ist, daß er aber gar nicht weiß, was er vorlesen soll. Der Hubsi hat ihm die Speisekarte in die Hand gedrückt und gemeint, das geht schon, vier Schnaps bestellt, den Jackie zur Bühne geschoben und gesagt, er solle sich zusammenreißen und am besten auch so tun, als wäre er schwul. Das hat der Jackie auch versucht. Wie er dann die Speisekarte vorgelesen und sich dabei vorgestellt hat, daß er der Mooshammer ist, da hat schon beim dritten Kapitel ("Komposition von Fettucini mit Kürbisknoblauchcreme auf Tomatencarpaccio und gebackenem Rucola an Thunfischparfait") der ganze Saal gerast und getobt vor Lachen, und wie der Jackie in seinem Überschwang gerade die Getränkekarte auch noch vorlesen hat wollen, ist ein Typ auf die Bühne gesprungen, hat gebrüllt, daß die Zeit leider um sei, und den Jackie zum einstimmigen Sieger erklärt. Der Jackie hat sich nicht fragen getraut, von was er da jetzt der Sieger ist, weil er irgendwie das Gefühl gehabt hat, daß man ihn verarscht und meint, daß er vielleicht wirklich schwul ist. Drum hat er den Hubsi gepackt und ist so schnell aus dem komischen Laden hinausgeflüchtet, daß ihm erst draußen die Studentin an der Kasse wieder eingefallen ist. Wie sie bei der Bushaltestelle angekommen sind, hat der Hubsi den Jackie gefragt, ob er eigentlich weiß, daß zum Beispiel der Thomas Mann auch stockschwul war, und da hat der Jackie so lange gähnen müssen, daß er hernach, wie er den Mund wieder zugemacht hat, eine regelrechte Schneedecke auf der Zunge gehabt hat, und da wäre ihm einen Moment lang fast ein Gedicht eingefallen. e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer |
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