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früher passiert:

Herbst 2005 bis April 2006:

Es vergeht kaum etwas so schnell wie die Zeit, und wenn man aber genau hinsieht, ist mit ihr soviel gewesen und sozusagen mitvergangen, daß sie so schnell vergangen gar nicht sein kann. In diesem Fall seit November 2005: zum Beispiel ungeheure Schneemassen, die sich noch zu einer, ähem, Zeit auf den Schwabinger Erdböden und Betonpflasterflächen stapelten, als dies eigentlich längst unschicklich war.

Zuvor begann und endete das Experiment mit den nächtlichen "Belästigungen"-Lesungen in der Schrannenhalle jeweils sehr bald, weil sich erwies, daß selbiges Gebäude für vieles geeignet sein mag - etwa um Öl zu verbrennen und zum Porschezubehör gehörige Menschenweibchen mit Krabben und Curry zu füllen -, ganz bestimmt aber nicht dafür, im tosenden Amusement-Geklirr um einen Tisch herumzusitzen und sich Sätze mit mehr als zwei Kommata vorlesen zu lassen. Inzwischen, so hört man, ist es mit der "Kultur" in der Halle weitgehend vorbei; sei es, wie es sei, einen Versuch wert war die Sache allemal.

Und da war er dann auch schon, der Schnee:

Mit selbigem traten die überdachten (das heißt nicht: mit vielen planvollen Gedanken überwölbten) Vergnügungen in ihr Recht, insbesondere die musikalischen, zu denen in den folgenden Monaten die Gruppen Elvis Maria, The Litterbins, selbstverständlich Dead City Radio und - man staune - Tollwut antraten. Bei vorletzteren ist die Fertigstellung neuer Musik in Form abspielbarer Aufzeichnungen inzwischen so weit fortgeschritten, daß sie sich wohl insgesamt nicht mehr vermeiden läßt, Gott sei Dank; dauern kann es aber trotzdem noch. Und letztere hatten immerhin einen Riesenspaß, aus dem sich auch manches ergeben könnte, was irgendwann aus Lautsprechern dringt und dann aber wohl (dito G. s. D.) nichts bis überhaupt nichts mit wohliger Nostalgie und Revivalismus zu tun haben wird. Oder mit ersterer vielleicht doch auch, aber nur für die Beteiligten.

Und (zuvor) schon war das neue Jahr da, und er:

Es mußte dann in Windeseile (weil in sogenannten "Zeitfenstern") der seit mittlerweile Jahren in Arbeit befindliche Zweit-Roman überarbeitet und weitergeschrieben werden, um die Teilnahme an dem wiederum erfreulichen abschließenden Teil des Textwerk-Seminars im Münchner Literaturhaus zu rechtfertigen. Inzwischen können wir ihm auch einen Titel geben: Er wird "Wegerichs Heft" heißen und ist aber, weil seit Januar extrem dringende Jubiläumsbücher über Elvis Presley, die Rolling Stones und wiederum Elvis Presley übersetzt sein wollen (um ihr Jubiläum nicht zu verpassen), noch immer lange nicht fertig. Das Seminar endete mit einer höchst amüsanten und schönen Lesung in der Bibliothek des Literaturhauses, in der sich ein regelrechter Literaturbetrieb einfand und für ein paar Stunden schwirrte, sich dann in den folgenden Wochen aber auch wieder verzog, zumindest was "Wegerichs Heft" angeht.

Und direkt zum Seminar, Anfang März, hatte dann auch er seinen famosesten Auftritt:

Derweil tat sich anderes, zum Beispiel beschlossen mit Fußball beschäftigte Menschen, es sei an der Zeit, die Notbremse zu ziehen, um den Absturz auf zweistellige Tabellenplätze zu vermeiden, und erreichten damit eben genau dies, was sich dann im Verlauf des Frühjahrs zu einer regelrechten "Zitterpartie" auswuchs, deren Ende immerhin einen Punkt über dem (nicht unbedingt von allen) Befürchteten stattfand. Und der Ort, wo es stattfand und der in gebildeten Kreisen begründetermaßen als "verflucht" gilt (aus mehreren Gründen), bekam zwar keinen neuen Eigentümer, verlor aber (u. U. dito G. s. D.) einen alten.

Zwischendurch war dies und das zu tun, etwa zum endgültigen Abschluß der Deep-Purple-Biographiearbeit ein Konzert selbiger Band zu besuchen, das erstaunlich erfreulich war. Selbiges gilt hoffentlich für die zweite Auflage des Buchs, die demnächst ausgeliefert werden soll(te). Erwähnt werden muß außerdem ein lustiger "Poetry-Slam" im Gröbenzeller Traditionslokal Hexe, wo mal wieder der "Bub" zum Vortrag kam.

Und dann begann das Frühjahr, wie erwähnt spät, und so richtig begonnen hat es traditionellerweise mit der kollektiven Besetzung fränkischer Kleinbrauereien, wobei diesmal ein besonderes Lob an die Inhaber einer kleinen Bäckerei in Wiesen gehen muß, die die hungrigen und mindestens ebenso durstigen Wandersleute inmitten einer wilden Streikerei ("Heute geschlossen, weil wir ja am 1. Mai schon aufgehabt haben") durch ebenso freundliche wie freiwillige Herausgabe ihres Kühlschrankinhalts davor bewahrten, dem Verschmachten anheimzufallen. Die Bilder hierzu stammen aus der Kamera des berühmten Enten- und Kunstbildners Kay Sokolowsky, weil meine eigene die Verhandlungen mit ihrer Batterie erfolglos abgebrochen hatte.

Und schließlich feierte die Band Dead City Radio ihre alljährliche Bühnenbetretung, diesmal am 13. Mai im schönen Lokal Monofaktur in der Münchner Sonnenstraße vor eingeweihten Zeugen und dem mindestens ebenso erfreulichen Auftritt von Attila The Stockbroker. Aber davon gibt es, wie meist, keine sichtbaren Dokumente. Was ja auch sein Gutes haben kann.

Wie's weitergeht? Es wird sich zeigen.


alle irgendwelchen Rechte: Michael Sailer