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Inhalt

(eine Einführung)

Der Roman „Wegerichs Heft“ erzählt von vier Menschen, die ein Magazin herausgeben möchten: Wegerich hat die Idee und (wie man meint) das Geld, Schnürer hat (wie man meint) Ahnung und Ideen, Neitzl und Vennemann haben Erfahrungen und (wie man meint) ebenfalls Ideen. Gewisse Konflikte sind vorgezeichnet, andere ergeben sich zwangsläufig. Schnürer, von Wegerich als Leitfigur des Projekts vorgesehen, kann diese Rolle nicht spielen und springt aus dem vorgegebenen Gleis – eine Entwicklung, die sich in seinem Privatleben auf drastische Weise widerspiegelt: Der Trennung von seiner Frau folgt eine dramatische Affäre mit einem Mädchen, das halb so alt ist wie er.

Die hochgesteckten Ansprüche aller Beteiligten an das Projekt verflüchtigen sich unter dem Bombardement „wirtschaftlicher Zwänge“, an dessen Ende der Zusammenbruch steht. Wer was wirklich will oder irgendwann wollte, ist immer weniger wichtig und schließlich kaum mehr zu sagen. Hat Wegerich das Fiasko geplant? Haben die Beteiligten eine Dynamik in Gang gesetzt, die von Anfang an einer unausweichlichen Logik folgte?

Schnürer, dessen Affäre ein schreckliches Ende findet, glaubt, Klarheit und „Erlösung“ sei nur auf juristischem Weg zu finden. In einem erbittert geführten Gerichtsprozeß wird versucht, die Geschichte des Projekts nachzuvollziehen, aber es ist – auch nachdem ein Urteil gesprochen ist – schwer zu sagen, ob das, was dabei an Motivationen, Entwicklungen und Problemen zum Vorschein kommt, je wirklich passiert ist. „Wegerichs Heft“ könnte davon handeln: wie Wirklichkeit entsteht oder gemacht wird. Und es ist eine Geschichte von Liebe und Haß, von (vermeintlichen und echten) Freundschaften und deren Verlauf, nachdem sie in die Maschine ökonomischer Verwertung hineingeraten sind.

Der Roman besteht aus drei Teilen.

„Wegerichs Heft“ spielt in München zur Zeit des scheinbaren Zusammenbruchs der „New Economy“, der zu Hysterie, Verzweiflung und dazu führt, daß vordem scheinbar befreundete Menschen einander und sich selbst entfremdet werden und „Zielen“ nachjagen, die utopisch und/oder absurd sind. Der Roman unternimmt (auch) den Versuch, die dabei wirksamen Denkstrukturen und sprachliche(n) Dynamik(en) der „Vertreter“ dieser ideologischen Aufwallung in ihrer ganzen Absurdität nachzuvollziehen. Doch sind Wegerich, Schnürer und die anderen Beteiligten keine „Prototypen“, sie und die anderen Menschen in „Wegerichs Heft“ stehen nicht für eine Idee, sondern nur für sich. Und, freilich, die Geschichte.

Mehr ist, auch annäherungsweise, nicht zu sagen, ohne diese Geschichte selbst zu erzählen.

Der Roman umfaßt als Buch 380 Seiten und liegt seit September 2012 in mehrmals vollständig überarbeiteter Fassung vor. Eine Veröffentlichung war (auf Anregung von Juli Zeh) zunächst für das Frühjahr 2009 im Verlag Schöffling & Co. vorgesehen, der Verlag mußte davon jedoch Abstand nehmen. Darüber hinaus wurde der Roman von Thomas von Steinaecker (bei Klett-Cotta und C.H.Beck), Herbert Rosendorfer (bei Kiepenheuer & Witsch sowie Folio) und Harry Rowohlt (bei Kein & Aber) zur Veröffentlichung empfohlen, leider in allen Fällen vergeblich.

Nachdem das Buch auf dieser Seite einige Zeit höchst erfolgreich als kostenloser Download erhältlich war, gibt es nun (im September 2012) eine gedruckte und eine elektronische Version bei Amazon. Weitere Editionen für Apple-Nutzer und andere werden folgen, sobald dies rechtlich möglich ist. Einstweilen bei Interesse bitte mailen.


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer